Fürsorge – „Das ist unser Leben, das ist wie wir leben“

Im Rahmen des friedlichen Netzprotest #carearbeitmusssichtbarwerden wurde ich in die öffentliche Gruppe „Pflegende Angehörige“ auf Facebook eingeladen und hier auch als pflegende Angehörige vorgestellt. Dies musste ich dann erst einmal richtigstellen, denn ich bin keine pflegende Angehörige, sondern ich bin eine alleinerziehende Mama von 2 Jungs (3 und 10 Jahre alt), was aber kein Wiederspruch ist, denn wir alle, pflegende Angehörige, sowie Eineltern- und Zweielternfamilien sorgen jeden Tag. Es ist also die FÜRSORGE FÜR ANDERE, die uns hier verbindet und daher habe ich auch die Petition zum Fürsorgegehalt mit allen Sozialleistungen ins Leben gerufen für Eltern und pflegende Angehörige. Der Petitionstext ist natürlich aus meiner Sicht, der, der alleinerziehenden Mutter geschrieben, denn genau das ist mein Leben, das ist wie ich lebe………., so ähnlich singt Philipp Dittberner in seinem Lied „Das ist dein Leben“.

Mit dem #carearbeitmusssichtbarwerden möchte ich darauf aufmerksam machen, dass kein Mensch ohne Fürsorge leben kann und das dieses Bewusstsein in die Mitte der Gesellschaft gehört, damit wir eine solidarische Gesellschaft werden. 

Ich wurde schon öfters gefragt, wie ich darauf gekommen bin, die Petition für Eineltern- , Zweielternfamilien und für pflegende Angehörige ins Leben zu rufen, dann naheliegend wäre gewesen, eine Petition zu starten nur für Alleinerziehende.

Ein Grund ist, dass es schon einige Menschen gibt, die sich speziell für Alleinerziehende einsetzen. Ich stelle Euch hier ganz kurz 3 Frauen vor, denen ich schon länger auf ihren Blogs folge: Christine Finke (Mama arbeitet) setzt sich schon viele Jahre ein für Alleinerziehende, sowie Annette Loers vom Blog Mutterseelesonnig, die zusammen die Aktion #Muttertagswunsch ins Leben gerufen haben. In meiner Aufzählung nicht fehlen darf Susanne Triebel (Notyetaguru), die den Netzprotest #carearbeitmusssichtbarwerden schon mehrmals  unterstützt hat. Herzlichen Dank dafür.  

Mein Beweggrund mich auch für pflegende Angehörige einzusetzen ist daraus entstanden, dass ich gesehen habe was uns verbindet, nämlich die tägliche Sorge für einen oder mehrere andere Menschen. Zusammen sind WIR, pflegende Angehörige, Eineltern- und Zweielternfamilien viele Millionen Menschen. Überlegt Euch das mal, wir könnten zusammen so viel bewegen!

Ich war noch nie eine pflegende Angehörige in dem Sinne, dass ich einen Menschen pflegebedürftig zu Hause versorgt habe. Dennoch ist mein Leben geprägt gewesen durch pflegende Angehörige und die Sorgen, die sich aus dieser Situation ergeben haben.

Meine erste Erinnerung diesbezüglich ist der schwere Schlaganfall meines Patenonkels Anfang der 1980er Jahre, der mit teilweisem Sprachverlust und einer kompletten  Halbseitenlähmung rechts einherging. Noch heute erkenne ich am Gang eines Menschen, wenn dieser einen Schlaganfall hatte, da ich dieses besondere Gangbild (Wernicke-Mann-Gangbild genannt) einfach verinnerlicht habe.

Ich bin also damit aufgewachsen, dass Menschen bereits in jüngeren Jahren (Onkel Hans war noch keine 50 Jahre alt) pflegebedürftig werden können und das sie dann unbedingt die Unterstützung von Angehörigen benötigen. Mein Patenonkel wurde bis zu seinem Tod Ende der 1990er Jahre zu Hause betreut von seiner Ehefrau, seinen Kindern und seiner Schwester.

Meine Uroma war selbständig bis ins hohe Alter, jedoch kam sie in den 1980er Jahren in ein Pflegeheim, da sie den Oberschenkelhals gebrochen hatte und sich danach nicht mehr alleine versorgen konnte. Die Besuche als Kind im Pflegeheim sind natürlich auch in meiner Erinnerung abgespeichert und haben mich sensibilisiert für Themen wie Pflege und Fürsorge.

Meine Oma hatte einen großen Freundeskreis mit Menschen, die sie regelmäßig traf. Als Kind habe ich so miterlebt, wie der Ehemann einer Freundin meiner Oma bereits in jungen Jahren an Demenz erkrankte. Was es emotional für mich bedeutet hat, dass ein Mensch sich nicht mehr erinnert, der mir sehr nahe stand, darüber habe ich bereits in dem Blogartikel „Atemlos“ berichtet.

Als junge Frau hatte ich einen Lebensgefährten, der schon als Kind an Typ 1-Diabetes (insulinpflichtiger Diabetes) erkrankt war. Ich erinnere mich noch genau daran, wie panisch ich war, als er den ersten Unterzucker (der unbehandelt zum Tod führen kann) in meinem Beisein hatte und ich gar nicht wusste, was genau ich machen soll. So ging es dann weiter, denn der Vater von meinem großen Sohn hat eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Chron) und der Vater vom Kleinen hatte Speiseröhrenkrebs im Anfangsstadium.

Pflegende Angehörige können wir nicht erst werden, wenn Familienmitglieder alt sind. Es ist ein Thema, was uns jeden Tag treffen kann und dann ist es wichtig, was Philipp Dittberner sing in seinem Lied „Das ist dein Leben“:

……und wir immer wieder aufstehen und anfangen zu gehen…………

Ich war also, noch nie pflegende Angehörige in dem Sinne, dass ich jemanden zu Hause gepflegt habe und dennoch bin ich auf alle Fälle jemand, der genau weiß, was es bedeutet, wenn jemand in der Familie dauerhaft nicht gesund ist und daher auf mehr Fürsorge angewiesen ist.

Die Qualität der Fürsorge macht sicherlich ein einfühlsames, geduldiges Gegenüber aus. Leider kann man diese nicht messen, wie die Uhrzeit oder die Temperatur. Es gibt also keine Maßeinheit für das, was zwischen uns ist, die Geduld, das Einfühlsame, die Liebe, das Verstehen ohne Worte. Wir können das „Zwischen“ zwischen uns nicht messen und man kann diese Prozesse zwischen uns auch nicht automatisieren wie in der Industrie Arbeitsprozesse vereinfacht werden. Das „Zwischen“ ist für mich der Raum der ungeahnten Möglichkeiten und der unvorhergesehenen Ereignisse. Ein Beispiel für das „Zwischen“ aus unserem Alltag: „Mama, gibst Du mir ein Juck-Juck und Mi mit in den Kindergarten?“ Ich weiß natürlich, was mein Sohn von mir möchte, denn ich kenne ihn und wir haben so in manchen Dingen unsere eigene Familiensprache. Hätte der Kleine diesen Satz zu einem Außenstehenden gesagt, wäre erst einmal das Rätselraten losgegangen, was denn nur ein Juck-Juck und eine Mi sein kann. Dieser Satz hätte das Gegenüber dann also einige Zeit beschäftigt und es hätte seine Geduld und Aufmerksamkeit gefordert. Dieser Teil des „Zwischen“ in der Fürsorge ist komplett unsichtbar und dennoch so wichtig, neben den Arbeiten die man messen und sehen kann, wie Wäsche waschen, Boden wischen, Staub saugen, Fenster putzen, Christbaum anhängen usw..

 In meinem Berufsleben hatte ich ebenfalls viel Kontakt mit pflegenden Angehörigen. Ich erinnere mich an eine Frau, die mir begegnet ist, als ich im Aufnahmesekretariat einer Kurklinik gearbeitet habe. Unter unseren Patienten waren Ende der 1990er Jahre doch noch einige Kriegsversehrte, die je nach Schweregrad der Verletzungen aus dem 2. Weltkrieg, mit Begleitperson angereist sind. Dies waren meistens die Ehefrauen oder die Schwestern der Patienten. Ich habe niemals erlebt, dass ein Kriegsversehrter mit seinem Bruder als Begleitperson angereist wäre. Die Frau in meiner Erinnerung war so erschöpft und verzweifelt von der Betreuung ihres Ehemannes, dass sich mir dies ganz tief eingeprägt hat.

In den letzten 9 Jahren habe ich in der Erwachsenenbildung gearbeitet mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen. Natürlich waren hier auch einige pflegende Angehörige dabei, wie z. B. Erika über die ich in „Pralinen zum Abschied“ geschrieben habe. Darüber hinaus gab es viele Geschichten von Menschen, die mich berührt haben. Ich erinnere mich an Frau H., die ihre Tochter alleine großgezogen hat, dann doch noch denn Mann ihres Herzens kennen gelernt hat, der jedoch kurze Zeit später schwer Herzkrank wurde und den sie gepflegt hat, parallel zur dementen Mutter. Was für ein Pensum an Fürsorge für andere – „lebenslang“ sozusagen. In diesem Zusammenhang frage ich mich, was pflegende Angehörige und Eltern überhaupt im Hartz-4-Bezug zu suchen haben, denn sie leisten wichtige Care-Arbeit und dürften gar nicht in dieses menschenunwürdige System hineinkommen, eigentlich sollte keiner da rein müssen, aber das ist wieder ein anderes großes Thema. 

Kindererziehung und Pflege von Angehörigen wird in der überwiegenden Zahl der Fälle von Frauen übernommen und sie ist leider unsichtbar in unserer profitorientierten, patriarchalen Leistungsgesellschaft, denn hier zählt nur, dass jeder einen Vollzeitjob hat. Wie wir Kindererziehung und Pflege von Angehörigen mit einem 40-Stunden-Job in Einklang bringen bleibt unsere Privatsache. Wenn wir es nicht schaffen, dies alles unter einen Hut zu bringen, landen wir heute in der Armut und morgen in der Altersarmut. Care-Arbeit muss sichtbar werden, liebe Leserin und lieber Leser, denn keiner von uns kann ohne Fürsorge leben. Um diese Fürsorge leisten zu können, brauchen wir Zeit und dies darf nicht als unsere Privatangelegenheit abgetan werden.

WIR haben den Vorteil, dass WIR (pflegende Angehörige, Eineltern- und Zweielternfamilien) VIELE sind und zusammen VIEL bewegen können z. B. in dem jeder unter dem #carearbeitmusssichtbarwerden etwas postet, immer Sonntags bis 28.01.2018.

Anfang der 1990er Jahre habe ich ein soziales Jahr im Krankenhaus gemacht und erinnere mich noch ganz genau, dass wir damals schon einen Pflegenotstand hatten. Leider hat sich dieses Problem in den vergangenen 25 Jahren nicht verändert. Es hat sich im Gegenteil wesentlich verschärft. Auch die, die professionell im Care-Bereich arbeiten (Krankenpfleger/innen, Altenpfleger/innen, Erzieher/innen, Hebammen usw.) leiden darunter, dass Care-Arbeit unsichtbar ist. Es herrschen unzumutbare Arbeitsbedingungen (z. B. zu wenig Pflegekräfte, kein Personalschlüssel für Pflegekräfte, wie z. B. in Kindergärten – obwohl auch dieser ein Witz ist, aber es gib einen, immerhin) und die Entlohnung und Anerkennung lässt auch zu wünschen übrig.

Aus diesem Grund, ist es wichtig, dass WIR (Eineltern- und Zweielternfamilien, sowie pflegende Angehörige) gemeinsam laut werden und am kommenden Sonntag unter #carearbeitmusssichtbarwerden mitteilen, was sich ändern muss.

Diejenigen, die bis zum Ende gelesen haben, erfahren dann auch noch, was in unserer Familiensprache ein Juck-Juck ist. Es ist etwas, was man Essen kann und hat nichts mit Jucken oder Juckreiz zu tun, wie man vermuten könnte. Habt Ihr eine Idee??? Mein Kleiner hat viele Wörter in Eigenkreationen verwandelt als er angefangen hat zu sprechen, darunter auch das Wort Joghurt, es wurde zu Juck-Juck und die Salami wurde zur Mi und so ist es bis heute geblieben. 

Welche Lieblings-Familienwort-Kreationen habt Ihr? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar dazu. Natürlich könnt Ihr mir auch in die Kommentare schreiben, warum #carearbeitmusssichtbarwerden wichtig ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Fürsorge – „Das ist unser Leben, das ist wie wir leben“

  1. Katharina schreibt:

    Toll, dass es diesen Blog gibt! Nachdem ich nicht weniger als 4 Generationen mit maximaler Hingabe versorgt habe, was auch viereinhalb Jahre fast vollständigen Schlafentzug beinhaltet sowie maximale Vernachlässigung meiner Person und seelische niemals endende Misshandlungen, fehlt mir noch etwas in diesem Zusammenhang: Die Bereitschaft der Angehörigen/Gesellschaft mit Müttern (insbesondere – ich war noch kein vernachlässigter Vater) zu KOMMUNIZIEREN. Und außerdem die Bewertung der mütterlichen Arbeit auf eine Weise, wie dies auch bei Rettungssanitätern oder Ärzten der Fall ist, die sich ebenfalls häufig bis weit über das Maß ihrer Erschöpfung verausgaben, und die deshalb mit einem gewissen gesellschaftlichen Wohlwollen angesehen werden. Oder um es einmal konkret zu sagen: Wenn man den einen selbst noch Fehler, vielleicht sogar vorsätzliche Übergriffe, frei von Not vergibt, dann sollte man eine tief im Unglück sitzende Mutter nicht vorsätzlich noch unglücklicher machen, weil sie sich einmal kurzfristig nicht im Griff hatte. Aber die Menschen scheinen sehr schnell dabei zu sein, insbesondere auf Mütter eine Hexenjagd loszutreten, und dies manchmal noch ohne sie darüber in Kenntnis zu setzen. Wo der „Breaking Point“ von „Caretakern“ erreicht ist, und diese völlig sich selbst überlassen werden trotz permanenter Bitte um Unterstützung (in meinem Fall beim Expartner, diversen Leuten in Heil- und Therapieberufen wie zB zwei Kinderärzte, zwei Allgemeinmedizinerinnen u.a.) da sollte man jemandem nicht übelnehmen, wenn er/sie fehlt, sondern mal überlegen, ob man das Leben der Mutter verbessern kann. Dies erfordert allerding die Bereitschaft, einen oder vielleicht sogar viele Augenblicke der Schwere zu erleben, denn so fühlt sich übermäßige Verantwortung nun einmal an! Denn geht es der Mutter gut, dann geht es auch dem Kind gut!

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    • Mama streikt schreibt:

      Liebe Katharina, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke, dass ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass Mütter eben auch etwas falsch machen können oder sich auch mal nicht im Griff haben, denn sie sind auch nur Menschen. Sie dann auch noch zu verurteilen ist wirklich unmenschlich und ich erlebe das auch leider öfters. In unserer Gesellschaft haben wir leider immer noch ein sehr „ungesundes“ unmenschliches Mutterbild. Ich nenne es gerne das der „bedürfnislosen, eierlegenden, berufstätigen, aufopfernden Wollmilchmodelmama“.
      Herzliche Grüße, Claire Funke

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  2. Katharina schreibt:

    Nachtrag aufgrund Deines hochinteressanten Artikels zum Thema „Unsichtbarkeit“:

    Ich wurde niemals gesehen, und (fast) niemals gehört. Auch ich bin hochsensibel, aber auch immer hochbelastbar gewesen, was ich nicht als Widerspruch empfinde. Aber andere sehen immer nur die Belastbarkeit, und dass man halt gerne noch mehr draufpacken kann…
    Das Wort „Achtung“ kommt von „Beachtung“ denke ich. Ich wurde die meiste Zeit meines Lebens auf eine Weise behandelt, als gäbe es mich nicht wirklich. Dies begann schon in der Kindheit, und immer war ich die, die diente und sich kümmerte. Und gerade deshalb war es vielleicht auch so. Oder wie meine demente Mutter kürzlich am Morgen zur Pflege sagte: „Das Personal schläft noch!“ Gemeint war ich… Wer sieht schon die Bedienung im Restaurant, und mit Müttern ist es ebenso. Nun, aus der „Nicht-Beachteten“ wurde die „Nicht-Geachtete“, wurde die „Ver-achtete“ und zuguterletzt /infolgedessen!) die „Ge-ächtete“. Es scheint mir allmählich das Schicksal der Nicht-Narzisten zu sein, isbesondere der weiblichen…

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  3. Lucas schreibt:

    Vielen Dank! Meine Frau hat schon einige Blogs an mich weitergeleitet, aber deiner ist *wichtig*!
    Was gewaltfreie Kommunikation bedeutet und bedingungslose Beziehung und wie ich gelebt habe, bis ich dieser Dinge überhaupt bewusst wurde, ist eine Sache und kann ich in vielen Büchern nachlesen und bedarf sicher ständiger Selbstreflektion.
    #carearbeitmusssichtbarwerden und *deine Sichtweisen* auf das Thema und deine offensichtliche Sensibilität als Person, mit der du mich durch deinen Blog berührst, ist aber wichtiger.
    Dein Verständnis von Solidarität geht über das, was viele unter Solidarität (heute noch?) verstehen weit hinaus: Gewerkschaften.
    Ich hatte erst heute noch davon gesprochen, dass ohne Solidarität KEINE großartigen Verbesserungen möglich sind und weil dann das Versagen der Gewerkschaften zur Sprache kam, wurde mir klar, dass hier hier Verantwortung weggeschoben wird. Solidarität ist aber etwas bedingungsloses, oder sollte es sein, etwas, dass wenn es schon nicht tief in uns (dem Einzelnen) verwurzelt ist, dann muss es tief in unserer Gesellschaft verwurzelt werden, so wie das „Bitte und Danke“, so wie die Scham, wenn man öffentlich pupst, so wie die ständige Bewertung anderer (wohl auch stark unter Müttern, Backfire-Effekt?). Als ich den Wikipedia-Artikel zum Thema Bildung (ungleich Schulbildung) las, da schwindelte es mir fast. Ein Effekt, der mich auch beim Thema Aufklärung erfasst. So krass sind die Spannungen/Differenzen zwischen diesen, ja auch deutschen Idealen und der Realität.
    Und um nicht weiter abzuschweifen, aber nochmal zu wiederholen: Dein Thema ist *wichtig* und trifft den Kern *der* Sache, die sicher viel „Backfire“ auslöst, wenn man den Leuten den Vorwurf so vor die Stirn knallt, wie ich es wohl gewohnt bin manchmal zu tun.
    Deine Artikel haben mich gerührt, berphrt, verändert und sensibilisiert. Ich bin ebenfalls kein pflegender Angehöriger, in dem Sinne, dass ich eine Person zu Hause zu pflegen habe. Vielleicht nur *noch* nicht, wie du ja schreibst, dass es uns alle jeden Tag geschehen kann. Aber ich bin Vater und in Vollzeit, während meine Frau hier die wirklich wirklich WIRKLICH schwierige Arbeit zu Hause hat. Eigentlich muss ich mich um ihre Gesundheit deswegen sorgen, aber das bringt mich in den inneren Konflikt mit meiner Arbeit. Die gesellschaftlichen Werte oder was auch immer das ist, was wir da mit der Arbeit und dem Einkommen verinnerlicht haben, habe ich schon abgelegt, aber wir sind froh, dass uns dennoch die Arbeit ermöglicht was sie uns ermöglicht. Andererseits ist es nicht annähernd das Potenzial, welches wir als Gesellschaft *haben*! Wer einmal weiß, wie wichtig *beide* Elternteile oder halt *viele* Bezugspersonen für Kinder sind, der steht automatisch in einem Konflikt mit dem aktuellen System.
    Ich *weiß* das alles schon länger, aber dein Blog bringt es mir auf sehr menschlicher Ebene nahe. Eine Fähigkeit, die ich gern hätte. Denn ohne die Fähigkeit mein Gegenüber als Menschen zu betrachten, mit seiner ganzen Geschichte, wenn ich über emotionale Themen rede, bin ich eine Belastung für mein Umfeld. Solidarität ist eine Sache, die ohne Sensibilität und Bildung und Aufklärung im Besten Sinne, schnell auch an Bedingungen geknüpft werden kann, und sich als Ausgrenzung und Narzissmus entpuppen kann. Ohne eine Innere Haltung sind wir leicht manipulierbar. Und die Kinderjahre sollen uns eigentlich den Rücken stärken, Vertrauen in eine Welt geben, die uns offen steht, in der angenommen sind. Um das zu leisten brauchen wir Beziehung und Zeit mit unseren Kindern. Was aber leben wir unseren Kindern tatsächlich vor? Wie können wir erwarten, dass unsere Kindern Verantwortung für andere übernehmen, wenn wir als große Vorbilder selbst keine Verantwortung für andere übernehmen, weil damit gleichzeitig bestraft werden/Nachteile haben, obwohl es eigentlich ein Dienst für die Gemeinschaft ist, wie du auf deinen Blog hier klar machst und ich mir auch wieder in Erinnerung rufen muss. Manchmal mag es viele Argumente geben, aber es braucht nur ein starkes und mit den schwächeren macht man manchmal seinen Standpunkt kaputt. Du hat hier den Kern der Sache getroffen und da hängt so viel anderes dran!
    Vielen Dank!
    Und wer bis hierher gelesen hat, der erfährt, dass sich mein Vierjähriger heute Würstchen-Kakao gewünscht (und bekommen!) hat! xD
    Kein Foto, leider. Aber das ist nie erlaubt, was wir respektieren.
    Bewusstmachung, warum wir manchmal meinen, dass die Dinge so sein sollen, wie wir denken, wie sie zu sein haben, ermöglicht den Ausbruch aus einem Teufelskreis der *Reaktion*, hin zu einem kreativen Entscheidungsprozess, der so noch nie in uns war. Das ist auch Schöpfung, Wachstum und Potenzialentfaltung. Alles andere ist Abspielen von einer Platte.

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    • Mama streikt schreibt:

      Lieber Lucas, wenn meine Artikel dazu führen, dass meine Leser bewusster umgehen mit Themen wie Beziehung, Fürsorge, Solidarität, Mutterschaft, dann habe ich was in Bewegung gesetzt mit meinen Gedanken und das freut mich sehr. Bewusstheit für eine Sache zu erlangen ist der erste Schritt und Bewusstheit fürs Leben zu erlangen ist ein lebenslanger Prozess. Mein Weg war ein langer und auch einer, der oft schmerzhaft war. Dennoch war er es wert, wenn mein Kleiner Juck-Juck von mir will und Dein Kleiner Würstchen-Kakao. Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich das mit dem Würstchen-Kakao ausprobiere…….aber da sind mir leider doch Grenzen gesetzt. Aber Würsten und hinterher Kakao, dass ist himmlisch. Herzlichen Dank für Deinen Kommentar und damit den Einblick in Deine Gedanken. Ich wünsche Euch einen schönen 1. Advent. Bitte richte Deiner Frau auch schöne Grüße aus, ich freue mich, dass Ihr beide „mich lest“.

      Herzlichst, Claire Funke

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